vom 30. November 2016 bis zum 31. März 2017

Fossilien aus dem Urwelt-Meer des Libanon


Web07

Sonderausstellung im Urwelt-Museum

Die wunderschön erhaltenen Fossilien aus den Steinbrüchen im Norden des Libanon zeigen die Vielfalt des Lebens im Thetys-Meer der Oberkreide. Nur wenige Kilometer östlich der Stadt Byblos, einer der ältesten permanent besiedelten Städte der Erde, liegen die Fundstellen Haqel, Hgula und En Namoura. Die 3 Fossilienlagerstätten sind international bekannt für ihre phantastisch erhaltenen marinen Fossilien. Vor etwa 95 Millionen Jahren lebten hier die verschiedensten Knochenfische, Knorpelfische wie Haie und Rochen, aber auch zarte Haarsterne und Krebse. Besonders schön und von Sammlern begehrt sind die sogenannten Sonnenrochen, deren Brustflossen fächerartig vergrößert sind.

cyclobatis

Cyclobatis sp. und Coccodus sp., Hgula, Libanon
Oberkreide, Cenoman

Die versteinerten Fische waren bereits in der Antike bekannt – der Bischof von Palästina, Eusebius von Caesarea (ca. 260-340 n. Chr.) sah in den Fischfossilien, die ja auf den Gipfeln des Libanon-Gebirges gefunden wurden, einen Beweis für die Sintflut. Seit dem 18. Jahrhundert werden die Fossilien wissenschaftlich beschrieben und bearbeitet. „Memory of time“, ein Museum in Byblos, führt Grabungen durch und präsentiert die Fossilien der Öffentlichkeit.

Ablagerungsraum und Stratigraphie (zeitliche Einordnung)

Die Fossilien der Fundstelle Haqel und Hjoula wurden im Cenoman (vor 100,5–93,9 Millionen Jahren), einer Stufe der Oberkreide abgelagert. In der Kreidezeit setzte sich der Zerfall Gondwanas, der im Jura begonnen hatte, weiter fort. Das Klima war warm, die Pole eisfrei und dementsprechend der Meeresspiegel sehr hoch. Der heutige Libanon lag am Rande der Thetys und die Tiere lebten in relativ geringen Wassertiefen (2 – 200 m). Die Häufigkeit der Fossilien und die Tatsache, dass sie nach ihrem Tod nicht mehr umgelagert wurden, deuten darauf hin, dass die Organismen plötzlich und in relativ kurzer Zeit gestorben sind.

Untersuchungen der Universität Tübingen (Hemleben 1977) ergaben, dass sich zunächst durch Horizontalverschiebungen tektonische Einbruchsbecken bildeten. In diesen Becken kam es zu Rutschungen und sich ständig verändernden Wasserzonen. Aufsteigende kühlere Wassermassen, die reich an Nährstoffen sind, führen meist einer erhöhten Produktion von Biomasse. Der erhöhte Anteil von Plankton bewirkt - zusammen mit verschiedensten Bakteriengruppen - eine Vergiftung des Wassers sowie anaerobe Bedingungen am Boden der Becken. In Haqel und Hgula war vermutlich die sprunghafte Vermehrung von Algen und die daraus resultierende Vergiftung des Wassers die Ursache für das Massensterben der Organismen.


Antedon

Antedon pinnulata ist ein frei schwimmender Haarstern, der wahrscheinlich in Kolonien lebte. Die Arme sind in ihrer ganzen Länge mit kleinen Fiedern besetzt.

Für ihre Leihgaben zu dieser Ausstellung bedanken wir
uns bei folgenden Personen und Institutionen:
- Burkhard Pohl, Wyoming Dinosaur Center at Thermopolis, Wyoming
- Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München
- Zoologische Staatssammlung München
- Institut für Paläontologie der Universität Tübingen
- Dr. Mike Reich, München
Die Aufschlussfotos in den Vitrinen stammen von Dr. Günter Viohl, Eichstätt.
Christina Schneider vermittelte den Kontakt zu Burkhard Pohl.

weitere Sonderausstellung:

"Glanzlichter 2015"
vom 24.10. - 31.12.2016

prämierte Bilder des internationalen Naturfotowettbewerbs

 

weitere Sonderausstellung:

Faszinierende Kristallwelt - Calcite aus der Sammlung Weißnegger